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Tomasz Szarota "Die Deutschen in den Augen der Polen während des Zweiten Weltkriegs"

Tomasz Szarota beschreibt, ausgehend von Untergrundzeitschriften, Karikaturen, Zeugenaussagen, Liedern und überlieferten Witzen aus der Kriegszeit, die Haltung der polnischen Bevölkerung zu ihren deutschen Besatzern von 1939-45. Nach einer langen, durch Höhen und Tiefen gekennzeichneten Nachbarschaftsgeschichte der beiden Länder, in deren Zuge die Auffassung "der Anderen" seit jeher von Klischees und Vorurteilen geprägt war, kulminierten die Stereotypen während des Zweiten Weltkrieges in einem absoluten Feindbild, das nahezu unumstößlich wurde. Wegen des brutalen Vorgehens der Nationalsozialisten gegen die Bevölkerung verfestigte sich in Polen die Auffassung, der Nachbar sei ein Erbfeind und entfesselter Mörder, dem nicht zu trauen sei. Das Bild des "hässlichen Deutschen" bestimmte fortan die öffentliche Meinung, auch weit über das Kriegsende hinaus, so wie es ebenfalls über die polnischen Grenzen hinweg in den europäischen Raum und Nordamerika ausstrahlte und die Wahrnehmung der Deutschen durch das Ausland nachhaltig prägte. Ehemals neutrale bis freundliche Meinungen zu Deutschland, wie es sie beispielsweise im Bereich der Kultur oder der sprichwörtlichen deutschen Ordnung gegeben hatte, gingen im und durch den Krieg verloren; diejenigen Eigenschaften, die vor der Besatzungszeit positive Assoziationen hervorgerufen hatten, wurden ins Gegenteil verkehrt. Kollektiv sprach man den Deutschen jedwede Menschlichkeit ab, während umgekehrt die Herren- und Untermenschenideologie der Nationalsozialisten das Verhältnis zu ihren slawischen Nachbarn schon vor Kriegsbeginn bestimmt hatte und diese Haltung in der Kriegsführung gegen Polen und die polnische Bevölkerung in tragischer Weise auch ihren Ausdruck fand.

Szarota zeigt auf, wie die Stigmatisierung aller Deutschen zu Verbrechern und ungebändigten Ungeheuern für Propaganda, aber auch zur Aufmunterung, zum Trost und zur Ablenkung vom eigenen Leid diente und beschreibt anschaulich, welch Eigendynamik eine solch starke Stereotypisierung in der Folgezeit entwickeln kann. Denn auch heute noch ist die Kluft zwischen den Völkern nicht völlig überbrückt und bedarf eines einfühlsamen Miteinanders. So ist der Hinweis Szarotas auf Ausnahmen der Regel, die immer wieder und auf beiden Seiten anzutreffen waren, ein versöhnlicher Ausblick auf eine mögliche Überwindung dieser großen Gräben in einer gemeinsamen Zukunft. Ohne den Mut, aufeinander zuzugehen und die zementierten Einstellungen gegenüber anderen Nationen zu hinterfragen, bliebe eine Annäherung zwischen Deutschen und Polen nur halbherzig.


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