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Bogdan Bartnikowski

Mein kleines-großes Glück

In meiner Überzeugung und ganz knapp auf den Punkt gebracht, bedeutet Glück, dass wir auf diese wunderschöne und großartige Welt gekommen sind. Und etwas genauer gesagt: Glück bedeutet, wenn wir Wege zu unserer Selbsterfüllung im Leben finden. Dass wir etwas erreichen, was unmöglich schien. In der Liebe, im Beruf und im täglichen Leben. Und wie findet man Glück? Und muss oder kann man es überhaupt suchen? Nein, es ist nicht etwas, was man finden kann. Das Glück ist um uns herum, fast an jedem Tag unsers Lebens. Und fast an jedem Ort, an dem wir uns befinden.

Wenn es um mich, eine Milliardstel Einheit der Menschheit geht, so hatte ich in meinem heute schon über siebzigjährigen Leben viele glückliche Erlebnisse, viele glückliche Tage. Zunächst waren es die glücklichen Tage meiner Kindheit, auch wenn sie durch den Krieg und die mit ihm verbundene Armut und Angst unterbrochen wurden. Solche wie mich, gab es damals jede Menge.

Über den einen glücklichsten Moment im Leben - aus der heutigen Perspektive eines 76-jährigen Menschen - zu sprechen... nein, das ist unmöglich, zu viele sind es gewesen. Kleine, kindliche Freuden, wer kennt sie nicht?! Sie bescherten mir Unmengen an Glück. Einen Tag lang, vielleicht zwei. Denn Glück währt nicht ewig. Und dann kamen auch schon etwas reifere, jugendliche Momente des Glücks. Sich verlieben… die erste und jede weitere Liebe - immer wundervoll. Und etwas früher, in Auschwitz, als ich nach Monaten der Qual zusammen mit meiner Mutter das Konzentrationslager verließ. Das war ein Wunder! Und vielleicht ist das der Grund, warum ich mich an jenen Tag im Januar so gut erinnern kann - dass ich an dem Ort, wo so viele ihr Leben lassen mussten, Glück erfahren habe. Wir verlassen das Lager ins Ungewisse, immer noch als Sklaven, aber zusammen! Und dann kam das Glück der Befreiung und der Rückkehr in das zerstörte Zuhause, von dem man im Lager so oft träumte.

Ich denke, dass man sich des Glücks erfreuen kann, auch wenn man vorher kein wirkliches Unglück erlebt hat. Wunderbarerweise leben wir seit vielen Jahren in einem Europa ohne Kriege. Heißt das, dass wir weniger glücklich sein sollen? Es stimmt, dass jeder einmal bessere und schlechtere Tage, Monate und Jahre durchlebt, die ihm die Freude des Erfolgs oder auch manchmal die Bitterkeit des Misserfolgs bringen. So ist das Leben!

Das Leben im Konzentrationslager war grausam. Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich nach dem Ende des Grauens doppelt glücklich war - weil ich überlebt habe und weil ich frei war.

Die Zeit verändert jeden, sie veränderte auch mich - das ist normal. Auch die kleinen Glücksmomente des Alltags verändern sich. Es gibt andere Gründe des Glücksempfindens bei jungen und andere bei erwachsenen Menschen. Womöglich, das habe ich gerade gedacht, erfreuen mich heute kleine Dinge, auf die ich früher überhaupt nicht geachtet hätte.

Warum ich heute glücklich bin? Weil ich mit einer Frau lebe, die mich versteht. Weil in mir immer noch die Neugier steckt, neue Menschen und die mich umgebende Welt kennen zu lernen. Weil ich die Möglichkeit habe, meine Lebenserfahrung mit der Jugend zu teilen. Weil ich daran glaube, dass das, was ich schreibe und sage zum Nachdenken anregen kann. Über die Vergangenheit. Und über die Zukunft.

Ist mein Glück klein? Vielleicht ist es klein. Aber es ist da! Und ich hoffe, dass mich mein kleines und gleichzeitig großes Glück bis zum Ende begleiten wird.

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