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Katarzyna Frankowska

DIE NORDELBISCHE

18. Oktober 2007 , Ausgabe 42/2007 von Simone Viere

"Wir haben zusammen geweint"

Die Polin Agnieszka Orankiewicz ist eine fröhliche 17-Jährige. Als ihre Oma Katarzyna Frankowska im Jahr 1939 in ihrem Alter war, war auch ihr Leben noch unbeschwert und voller Hoffnung auf eine gute Zukunft. Doch das sollte sich nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges und ihrer Verschleppung als Zwangsarbeiterin nach Deutschland bald ändern.

Die Enkelin hat das Leben ihrer Großmutter aufgeschrieben, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Gemeinsam sind die beiden in Dithmarschen auf Lesereise gegangen. Eine Station war das Berufsschulzentrum in Heide, wo rund 100 Schüler gespannt den Worten von Agnieszka lauschten, als diese aus dem Leben ihrer Großmutter vorlas.

Die heute 84-jährige Polin wurde 1941 als Zwangsarbeiterin in einem Viehwaggon nach Neumünster gebracht. Über die schweren und unglücklichen Jahre, die in Dithmarschen folgten, hat sie lange geschwiegen und konnte auch mit ihren eigenen Kindern nicht über ihr Erlebtes sprechen - wohl aber mit ihrer Enkeltochter. "Bis heute kann und will ich nicht alles erzählen", so Frankowska. Einige Erinnerungen seien einfach zu schmerzhaft. "Es gab auch Situationen, in denen wir beide geweint haben: zum Beispiel als Oma von dem Tod ihres Vaters erzählt hat", berichtet die Enkelin von den Gesprächen mit ihrer Großmutter. "Aber ich wollte alles aufschreiben, damit es nicht in Vergessenheit gerät."

Gemeinsam mit ihrem Vater wurde die damals 19-Jährige verschleppt. Unterwegs, auf der Fahrt nach Deutschland, wurde sie von ihm getrennt. Er wurde mit anderen Menschen von Soldaten in eine Scheune gejagt. Dass diese später angezündet wurde und auch ihr Vater in der Scheune verbrannte, erfuhr sie erst viel später. Es dauerte bis zum November 1945, als Katarzyna Frankowska zum ersten Mal wieder polnischen Boden betrat. Weitere sechs Jahre vergingen, bis sie ihre Mutter und Schwestern wiederfand.

Auf ihrer Lesereise ging die 84-Jährige mit ihrer Enkelin auch in die Bundeswehr-Kasernen in Husum und Heide, um vor deutschen Soldaten zu sprechen. "Das ist für mich heute normal. Das sind andere Menschen - andere Soldaten als damals". Es mache sie froh zu sehen, wie Deutschland sich verändert hat, und dass man ihrer Geschichte zuhört und vor den Häusern keine Hitlerjungen mehr stehen.

Die Schüler im BZZ Dithmarschen zeigten sich sehr interessiert, besonders an dem Alltag von Frau Frankowska in Deutschland. Wie sie ihren Geburtstag und Weihnachten verbrachte, ob sie Freunde fand und wie sie behandelt wurde, wollten die Schüler wissen. Neben all dem Schrecklichen und Grauenhaften konnte die 84-Jährige auch von Menschen berichten, die ihr damals geholfen haben und davon, wie sie ihren zukünftigen Ehemann kennenlernte.

Dieter Bossmann, Referent der Heinrich-Böll-Stiftung, betonte wie wichtig es sei, den Zeitzeugen zuzuhören, da diese immer weniger würden. "Es ist auch ein Zeichen, dass wir nie wieder solche Zustände haben wollen."

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