Die humanitären Hilfsprogramme der Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" nahmen ihre Anfänge im Jahre 2002 durch die Unterstützung einer Initiative deutscher und österreichischer Orthopäden, die für NS-Opfer mit schweren Gelenkproblemen kostenlose Operationen sowie Prothesen organisierten. Dabei nahm die Stiftung die Rolle des Vermittlers zwischen Hilfebedürftigen und der deutsch-österreichischen Seite ein.
Ein entscheidender Augenblick für die Arbeit der Stiftung war die Eröffnung des Projekts für Kuraufenthalte im Frühling 2003, welches zunächst von der Bundesstiftung im Rahmen des Fonds "Erinnerung und Zukunft" gefördert wurde.
Die Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" erhielt dafür damals 300.000 Euro zur Deckung der Kurkosten in polnischen Kurorten für ehemalige Zwangs- und Sklavenarbeiter des Dritten Reiches aus Polen und Belarus.
Angeregt und unterstützt von Opferverbänden verfolgte die FPNP das Ziel, die Aktivitäten in diesem Bereich weiterzuführen und auszubauen.
Das erste sozialhumanitäre Hilfsprogramm begann somit schon im April 2004. Noch lebende NS-Opfer, die für die gesundheitlichen Spätfolgen der Repressionen keine Leistungen aus dem Bundesfond erhalten hatten, konnten nun Leistungen aus dem neuen Programm beantragen. Ein Hauptkriterium für die Auszahlung der Mittel war eine schwierige materielle Situation des Betroffenen.
Darüber, mit welch großem Interesse diese Hilfe angenommen wurde, zeugen folgende Zahlen: in den zwei Laufjahren des Programms mussten aufgrund der sehr hohen Nachfrage die dafür vorgesehenen Mittel im ersten Jahr um 10 Mio. PLN und im zweiten Jahr um weitere 26 Mio. PLN aufgestockt werden. Insgesamt hat die Stiftung bis zum 31. Dezember 2006 53,5 Mio. PLN aus eigenen Mitteln ausgezahlt.
Die am häufigsten bewilligte Hilfe war - neben der sozialen Beihilfe - die Rückerstattung der Medikamentenkosten. Weniger genutzt wurden die restlichen Hilfeleistungen, wie zum Beispiel die Rückerstattung der Kosten für medizinische Geräte oder medizinische Leistungen. Sicherlich hing dies mit der Anforderung zusammen, die gekauften Geräte, Hilfeleistungen oder Medikamente mit Nachweisen zu belegen. Die in diesen Hilfsprojekten gesammelten Erfahrungen konnten wir später bei der Planung und der Realisierung des neusten Hilfsprogramms anwenden.
Orthopädisches Programm
Es ist eines unserer Hauptziele, die Interessen und Bedürfnisse unserer Leistungsempfänger wahrzunehmen und auf diese zu reagieren. Aufgrund des mittlerweile hohen Alters leiden viele NS-Opfer, oft infolge ihrer früheren Repression, unter spezifischen Krankheiten. Sie benötigen schließlich nicht nur humanitäre, sondern auch materielle Hilfe, wie z.B. die Übernahme von Kosten für Operationen und Eingriffen ebenso wie für Arzneimittel, medizinische Geräte etc. Deswegen darf und kann sich die humanitär-soziale Hilfe nicht nur auf die Auszahlung von Geldern beschränken.
Die Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" nahm an einem Projekt teil, in dem Opfern des Nationalsozialismus orthopädische Operationen in Deutschland und Österreich ermöglicht und künstliche Knie- und Hüftgelenke bereitgestellt wurden.
Trotz der Strapazen der Reise und des Stresses einer in Aussicht gestellten Operation im Ausland fehlte es nicht an Interessenten, die nach dem Eingriff sehr zufrieden und dankbar waren. Dieses Projekt war ausnahmslos für alle Opfer des Zweiten Weltkrieges bestimmt. Die Zahl der polnischen Leistungsempfänger und der kostenlosen Operationen in deutschen und österreichischen Kliniken beträgt in einem Zeitraum von fünf Jahren fast 300.
Materielles Hilfsprogramm
Darüber hinaus führt die Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" seit über drei Jahren ein materielles Hilfsprogramm, in dessen Rahmen (teilweise gebrauchte) Rehabilitations- bzw. medizinische Geräte, sowie Rollstühle, Gehhilfen und Pflegebetten aus Polen und Deutschland beschaffen und an Hilfebedürftige, Hospize und Pflegeeinrichtungen verteilt werden. Auch dieses Programm ist ausnahmslos an alle NS-Opfer gerichtet.
Programm zur humanitären Hilfe aus den Mitteln der Flickspende
Am 20. Juni 2007 beendete die Stiftung zwei Hilfsprojekte - das Projekt der "Sanatoriumsaufenthalte" und der "orthopädischen Hilfe", die seit dem 20. April 2006 realisiert und aus den Mitteln der "Flickspende" finanziert wurden. Verteilt wurden die Gelder durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft". Diese "Flickspende" wurde von dem gleichnamigen Finanzier ins Leben gerufen, des Erben eines Unternehmers, der während des Zweiten Weltkrieges massenhaft Zwangsarbeiter beschäftigte. Aus diesen Fonds entwickelten wir ein Programm, in dessen Rahmen ehemaligen KZ-, Ghetto- und Arbeitslagerhäftlingen sowie ehemaligen Zwangsarbeitern und Verschleppten ein Kuraufenthalt oder eine Operation ermöglicht werden konnte. Ein Aufenthalt in einem von sieben polnischen Kurorte: Ciechociek, Inowroclaw, Ustronie Morskie, Konstancin, Naleczów, Bochnia oder Cieplice-Zdrój wurde von insgesamt 1.282 Menschen in Anspruch genommen. Des Weiteren wurden 56 Operationen an Knie- sowie Hüftgelenken an der Posener Uniklinik durchgeführt.
Hilfsprojekt für sog. verspätete Antragssteller
Darüber hinaus wurde ein besonderes Projekt gestartet, das sich speziell an jene Personen richtete, die ihren Antrag auf Leistungen nicht fristgerecht eingereicht hatten, und somit keine Gelder erhalten konnten. Das Projekt wurde aus Restmitteln und Zinserträgen der Bundesstiftung finanziert. Berechtigt waren Personen, die bis zu der gesetzlich festgelegten Frist am 31. Dezember 2001 keinen Antrag gestellt hatten. Auf diese Weise konnten sie ihre Dokumente noch bis zum 6. September 2006 einreichen. Der Betrag der jeweils ausgezahlten Mittel war aber kleiner als die vorhergehenden Auszahlungen. Allerdings war es uns ein besonderes Anliegen, auch diese Personen in die Auszahlungen miteinzubeziehen, waren sie doch zu diesen Mitteln berechtigt und erhielten nur aufgrund formaler Umstände keine Leistungen.
"Soziale und medizinische Hilfe"
Am 25. Juni 2007 eröffneten wir ein neues Hilfsprogramm unter dem Namen "Soziale und medizinische Hilfe", das aus Restmitteln der Bundesstiftung sowie aus Mitteln der Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" finanziert wurde. Diese soziale Beihilfe beruhte auf einem finanziellen Zuschuss für Menschen mit geringem Einkommen und in einer besonders schweren materiellen Situation. Wie wir aus den vorhergehenden Programmen erfahren haben, ist es genau diese Form der Hilfe, die den meisten Zuspruch erhalten hat. Bis zum 31. Dezember 2007 erhielten wir ca. 100.000 Anträge. Die Auszahlungen im Rahmen dieses Projekts dauern noch an.
Humanitäres Hilfsprogramm "Wir haben Euch nicht vergessen - ihr seid nicht alleine"
Am 26. November 2007 unterschrieb die Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" und die PKO Bank Polska einen Vertrag über ein neues, gemeinsames Projekts, das sich an die ehemaligen Soldaten der polnischen Heimatarmee AK "Armia Krajowa" (Widerstandsarmee des Warschauer Aufstandes) aus der Zeit 1939-1945 richtete. Dies war das erste Hilfsprogramm, das ausschließlich aus polnischen Mitteln finanziert wurde. Das Programm umfasst eine einmalige, sofortige Hilfe für ehemalige AK-Soldaten, die sich gegenwärtig in einer finanziell schweren Situation befinden, die wie folgt aussieht:
- Absicherung elementarer Grundbedürfnisse,
- Zuschüsse für getragene Arznei- oder Anschaffungskosten von orthopädischen bzw. Reha-Geräten,
- Unterstützung bei schweren Schicksalsschlägen (z.B. Notwenigkeit einer lebensrettenden Operation, Diebstahl, Brand, Naturkatastrophen).
Vom Programm ausgeschlossen sind Personen, die bereits durch andere Hilfsprojekte der Stiftung "Polnisch-Deutsche Aussöhnung" Gelder erhalten konnten.
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